Wels, 24.–25. Jänner 2026 – Die 17. Apitherapietagung der Österreichischen Gesellschaft für Apitherapie (ÖGA) stand ganz im Zeichen der Verbindung von Wissenschaft, ärztlicher Praxis und gelebter Erfahrung mit Bienenprodukten. Mit rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Tag verzeichnete die Tagung einen neuen Besucherrekord. An zwei intensiven Tagen bot die Tagung sowohl praxisorientiertes Arbeiten als auch fundierte medizinische Fachvorträge und inspirierende Impulse.

Samstag, 24. Jänner 2026 – Praxis-Workshop Apitherapie

Der erste Veranstaltungstag war der praktischen Arbeit mit Bienenprodukten gewidmet. Im Workshop zur Herstellung apitherapeutischer Produkte führten IM Helmut Eiber, IM Anton Reitinger und Ing. Martina Brandstätter, BSc die Teilnehmenden Schritt für Schritt durch die Verarbeitung von Blütenpollen und Perga.

Ein besonderer Fokus lag auf der qualitativ hochwertigen Produktion. Anton Reitinger betonte dabei eindringlich die Bedeutung:

  • der Wahl des richtigen Standortes für die Gewinnung von Perga und Bienenbrot,
  • der Bienenführung und Trachtsituation,
  • sowie einer konsequenten Hygiene bei der Verarbeitung, um die wertvollen Inhaltsstoffe der Produkte zu erhalten.

Im praktischen Teil wurden gemeinsam Powerballs für den Sport- und Gesundheitsbereich hergestellt. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin erhielten eine Kostprobe, wodurch die theoretischen Inhalte unmittelbar erlebbar wurden. Ergänzend wurde auf die Fermentation von Blütenpollen eingegangen – als Möglichkeit, deren Nährstoffe besser verfügbar, haltbarer und wirksamer zu machen.

Der Workshop verdeutlichte, dass Apitherapie nicht bei der Biene endet, sondern bei Sorgfalt, Wissen und Verantwortung in der Verarbeitung beginnt.

Sonntag, 25. Jänner 2026 – Fachtagung

Der Sonntag stand im Zeichen der medizinischen Apitherapie und begann mit der offiziellen Eröffnung durch IM Gerald Lindenthaler, Präsident der ÖGA. Im Rahmen dieser Eröffnung wurde IM Anton Reitinger für seine langjährigen und herausragenden Verdienste um die Apitherapie in Österreich geehrt und feierlich zum Ehrenpräsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Apitherapie ernannt.

Bienengift – ein Gift?

In seinem Vortrag gab Dipl. Ing. Dr. med. Gregor de Lijzer einen umfassenden Überblick über die Giftigkeit von Insektenstichen und ordnete das Bienengift differenziert zwischen Risiko und therapeutischem Potenzial ein. Er erläuterte die wichtigsten Inhaltsstoffe, deren Wirkmechanismen und zeigte auf, wie Bienengift – fachgerecht angewendet – sicher in der ärztlichen Praxis eingesetzt werden kann. Dabei spannte er den Bogen von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen bis zu traditionellen Anwendungen.

Honig und Bienenstiche in der ärztlichen Praxis

Dr. med. Matthias Holeiter (CH) beeindruckte mit zahlreichen Fallbeispielen aus seiner täglichen Arbeit als Hausarzt. Er berichtete von teils erstaunlichen Erfolgen mit Honig bei:

  • frischen und tiefen Verbrennungen,
  • chronischen und infizierten Wunden,
  • sowie bei multiresistenten Keimen, bei denen konventionelle Therapien an ihre Grenzen stoßen.

Besonders bemerkenswert waren seine Erfahrungen mit der Kombination von Honig und Bienenstichen sowie der Einsatz apitherapeutischer Methoden auch im veterinärmedizinischen Bereich. Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial Honig als medizinisches Wundheilmittel besitzt – fundiert, praxisnah und nachvollziehbar.

Wirksamkeit der ärztlichen Bienengifttherapie bei Dupuytrenscher Kontraktur

Dr. med. Andreas Dabsch widmete sich der ärztlichen Bienengifttherapie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, insbesondere der Dupuytrenschen Kontraktur. Er erläuterte die Wirkweise des Bienengifts aus immunologischer, biochemischer und energetischer Sicht.

Im Zentrum stand die Apipunktion, bei der die gezielte Entzündungsreaktion durch Bienengift verhärtetes, schlecht durchblutetes Gewebe auflockert. Enzyme wie Hyaluronidase tragen zur Auflösung von Verklebungen im Bindegewebe bei, verbessern die Mikrozirkulation und aktivieren Immunprozesse. Dr. Dabsch ordnete diese Effekte sowohl in traditionelle Medizinsysteme als auch in moderne Erkenntnisse der Psycho-Neuro-Immunologie ein und betonte die Bedeutung von Zell- und Gewebsentgiftung als Teil des Heilprozesses.

 

Krönender Abschluss: Natürlich echt – über das Dranbleiben, den Honig und das Leben

Den Abschluss der Tagung bildete ein inspirierender Vortrag von Felix Gottwald, Österreichs erfolgreichstem Olympiasportler, Gesundheitswissenschaftler und Mentalcoach. In seinem sehr persönlichen Beitrag sprach er über den Einsatz von Honig im Spitzensport, über Eigenverantwortung, innere Haltung und bewusste Lebensführung.

Gottwald bezog die „Schwarmintelligenz“ der Teilnehmenden aktiv ein, stellte Fragen, regte zum Mitdenken an und motivierte dazu, alltägliche Routinen bewusst zu hinterfragen und zu verändern. Sein Vortrag verband Leistung, Achtsamkeit und Natur auf authentische Weise und setzte einen emotionalen wie inhaltlichen Schlusspunkt der Tagung.

Fazit

Die 17. Apitherapietagung machte deutlich, dass Apitherapie weit über tradierte Anwendungen hinausgeht und heute ein evidenzbasiertes Zusammenspiel von Erfahrung, Wissenschaft und verantwortungsvoller Praxis darstellt. Die Verbindung aus praxisorientierter Verarbeitung, medizinischer Expertise und inspirierenden Impulsen setzte nachhaltige fachliche Akzente für die Teilnehmenden. Mit über 400 Besucherinnen und Besuchern und einem neuen Teilnehmerrekord unterstrich die Tagung die wachsende fachliche Bedeutung der Apitherapie und bestätigte ihre Rolle als zentrale interdisziplinäre Plattform im deutschsprachigen Raum.

Bienenprodukte erleben derzeit eine wahre Renaissance. Neben Honig, Propolis und Gelee Royale rückt nun ein Produkt in den Fokus der Forschung: fermentierter Bienenpollen. Was früher ein reines Naturprodukt war, wird heute mit modernster Biotechnologie veredelt – und das mit erstaunlichen Ergebnissen. Neue Studien zeigen: Durch gezielte Fermentation wird aus einfachem Blütenpollen ein Superfood mit optimierter Bioaktivität, das Körper, Haut und Immunsystem gleichzeitig stärkt.

Was steckt im Pollen?

Bienenpollen ist ein wahres Nährstoffkonzentrat. Er enthält bis zu 30 Prozent Eiweiß, alle essentiellen Aminosäuren, eine Vielzahl von Vitaminen (B-Komplex, C, E), Mineralstoffen wie Eisen, Zink, Kalzium und Magnesium sowie ein breites Spektrum an sekundären Pflanzenstoffen – vor allem Polyphenole und Flavonoide.

Diese Stoffe wirken antioxidativ, entzündungshemmend und regenerativ. Allerdings hat der Naturpollen einen Nachteil: Die harte Zellwand der Pollenkörner schränkt die Bioverfügbarkeit stark ein. Nur ein kleiner Teil der Nährstoffe kann im menschlichen Körper aufgenommen werden.

Die Kunst der Fermentation

Fermentation ist die Lösung für dieses Problem. Bei der sogenannten Festphasen- oder „solid-state“-Fermentation, wie sie Nowak et al. (2023) beschreiben, wird Pollen gezielt mit Milchsäurebakterien und Enzymen behandelt. Diese Mikroorganismen öffnen die Zellwände, setzen phenolische Verbindungen frei und steigern die antioxidative Kapazität erheblich.

Laut der Studie erhöht Fermentation:

  • den Gehalt an Flavonoiden und Phenolsäuren um bis zu 40 %,
  • die radikalfangende Aktivität (antioxidative Wirkung) signifikant,
  • die Löslichkeit und Aufnahmefähigkeit von Nährstoffen,
  • und sie reduziert unerwünschte Mikroorganismen.

Damit wird fermentierter Bienenpollen nicht nur sicherer, sondern auch wirksamer.

Ergebnisse aus dem Labor: Bioaktivität auf neuem Niveau

Auch Wolska et al. (2024) bestätigen diese Ergebnisse in einem Vergleich zwischen natürlichem Bienenbrot und kontrolliert fermentiertem Pollen. Durch kontrollierte Fermentation steigt die Konzentration von freien Aminosäuren, Enzymen und Antioxidantien. Gleichzeitig entwickeln sich probiotische Eigenschaften, die positiv auf die Darmflora wirken.

Die Kombination aus den beiden Studien zeigt ein klares Bild:
Fermentierter Bienenpollen ist kein bloß veredeltes Naturprodukt, sondern ein funktionelles Nahrungs- und Kosmetikmittel mit messbar erhöhter biologischer Aktivität.

Gesundheit von innen – probiotisch, antioxidativ, entzündungshemmend

Fermentierter Pollen wirkt auf mehreren Ebenen:

  1. Darmgesundheit: Milchsäurebakterien fördern eine stabile Mikroflora, was Verdauung und Immunsystem stärkt.
  2. Antioxidativer Schutz: Durch erhöhte Phenolgehalte kann fermentierter Pollen freie Radikale effizienter neutralisieren.
  3. Entzündungshemmung: Studien belegen eine deutliche Reduktion entzündlicher Marker im Körper.
  4. Energie und Leistungsfähigkeit: Aminosäuren und B-Vitamine unterstützen den Stoffwechsel und erhöhen die Vitalität.

Regelmäßige Einnahme wirkt sich positiv auf Haut, Energiehaushalt und allgemeines Wohlbefinden aus – ein Beispiel für ganzheitliche Gesundheit.

Von der Ernährung zur Kosmetik

Die biochemischen Verbesserungen durch Fermentation machen den Pollen auch für die Kosmetikindustrie spannend. Seine Wirkstoffe entfalten auf der Haut dieselben Effekte wie im Inneren des Körpers:

  • Antioxidantien schützen Zellen vor oxidativem Stress und beugen Hautalterung vor.
  • Aminosäuren fördern die Produktion von Kollagen und Elastin – wichtig für Straffheit und Spannkraft.
  • Polyphenole wirken entzündungshemmend und beruhigend bei gereizter Haut.
  • Probiotische Komponenten unterstützen das Mikrobiom der Haut und stärken die natürliche Schutzbarriere.

Kosmetikhersteller nutzen fermentierten Pollen in Seren, Masken, Cremes und Ampullen, häufig kombiniert mit Honig oder Propolis. Das Ergebnis: Pflegeprodukte mit wissenschaftlich belegter Wirkung.

Ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit

Fermentation ist nicht nur eine technische Verbesserung, sondern auch ein Schritt hin zu nachhaltiger Imkerei. Die kontrollierte Fermentation verringert die Abhängigkeit von großen Mengen Rohpollen aus Wildbeständen. Gleichzeitig ermöglicht sie standardisierte Qualität, hygienische Sicherheit und konstante Wirkstoffgehalte – alles Voraussetzungen für den optimalen Einsatz in Kosmetik und Nahrungsergänzung.

Die Biochemie der Fermentation – was genau passiert

Während der Fermentation bauen Mikroorganismen komplexe Zuckerverbindungen ab und setzen dabei Enzyme frei, die Proteine spalten und Phenole aktivieren. Die Studie von Nowak et al. zeigt, dass vor allem Laktobazillen (Milchsäurebakterien) und Hefen dafür verantwortlich sind, phenolische Säuren wie Kaffeesäure freizusetzen – eine Substanz, die eine starke antioxidative Wirkung besitzt.

Der Prozess ähnelt dem, was Bienen in der Wabe natürlich leisten, wenn sie Pollen zu Bienenbrot fermentieren. Der Unterschied: Bei der Fermentation durch den Imker:in lässt sich der Prozess steuern, optimieren und reproduzieren – ein großer Vorteil.

Anwendungen und Zukunftsperspektiven

Fermentierter Bienenpollen ist vielseitig einsetzbar:

  • Als Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung von Immunsystem, Darmflora und Energiehaushalt.
  • In Cosmeceuticals, also Pflegeprodukten mit medizinischem Zusatznutzen.
  • In funktionellen Lebensmitteln, etwa Smoothies, Müslis oder Proteinriegeln.

Künftige Forschungsansätze beschäftigen sich mit der Nanoverkapselung der Wirkstoffe, um ihre Aufnahme im Körper weiter zu verbessern. Ebenso werden Kombinationen mit Propolis, Honig und Gelee Royale untersucht, um synergistische Effekte zu erzielen.

Historische Wurzeln und moderne Innovation

Schon die alten Ägypter und Chinesen verwendeten Bienenpollen als Energiespender und Heilmittel. Was sie intuitiv wussten, belegen heute Daten aus der modernen Biochemie. Fermentierter Pollen führt diese Tradition in das 21. Jahrhundert: Mit wissenschaftlicher Präzision wird das alte Naturprodukt zu einem standardisierten, sicheren und hochwirksamen Superfood weiterentwickelt.

Fazit

Fermentierter Bienenpollen vereint das Beste aus zwei Welten – die Kraft der Natur und die Präzision der Wissenschaft. Durch Fermentation steigt die Konzentration bioaktiver Stoffe deutlich, während Sicherheit und Haltbarkeit verbessert werden. Studien wie die von Nowak et al. (2023) und Wolska et al. (2024) belegen, dass fermentierter Pollen eine überlegene antioxidative Kapazität, verbesserte Nährstoffverfügbarkeit und probiotische Wirkung besitzt.

Damit wird aus einem uralten Naturprodukt ein vielseitiges Superfood für Ernährung, Gesundheit und Hautpflege. In einer Zeit, in der Verbraucher natürliche, wirksame und nachhaltige Produkte suchen, ist fermentierter Bienenpollen mehr als nur ein Trend – er ist ein Symbol für die Zukunft der ganzheitlichen Gesundheit.

Die Österreichische Gesellschaft für Apitherapie bietet am Samstag, 24.01.2026, einen Workshop zum Thema Fermentation von Blütenpollen an. Info´s und Anmeldung unter www.apitherapie.at

Literatur:

  • Nowak, A. et al. (2023). The impact of solid-state fermentation on bee pollen phenolic compounds and radical scavenging capacity. Food Chemistry Advances.
  • Wolska, K. et al. (2024). Chemical Composition and Bioactivity of Laboratory-Fermented Bee Pollen in Comparison with Natural Bee Bread. Journal of Apicultural Research.

Liebe Freunde der Apitherapie,

vom 18.01.2025 bis 19.01.2025 hat in Schloss Puchberg bei Wels,  unsere heurige Apitherapie – Tagung stattgefunden.

Der Workshop am Samstag war mit mehr als 170 Teilnehmern extrem gut besucht und die Veranstaltung war auch am Sonntag ausverkauft.

Der große Saal im Schloss war voll und mehr Personen konnten wir bei besten Willen nicht mehr unterbringen.

Ich möchte mich daher bei allen Besuchern recht herzlich bedanken und wir werden uns bemühen,
auch für die nächste Tagung wieder ein interessantes Programm auf die Beine zu stellen.

Bedanken möchte ich mich auch bei den Vorstandsmitgliedern und deren Partnern,  die mit viel Einsatz und Engagement für den reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltung sorgten.

Am Samstag fand anschließend an den Workshop unsere Generalversammlung statt.

Ein wichtiger Punkt bei dieser Versammlung war die Neuwahl des Vorstandes.

Imkermeister Toni Reitinger wollte, altersbedingt, nicht mehr als Präsident kandidieren.

Folgender Vorstand wurde einstimmig gewählt:

                               Präsident:              IM Gerald Lindenthaler

                               Stellvertreter:         IM Toni Reitinger

                               Kassier:                 IM Rudi Burgstaller

                               Schriftführerin:    Martina Brandstätter, BSc

                               Zertifizierung:       IM Helmut Eiber

Als Beiräte werden uns Yvonne Steinbauer und ab April eine Allgemeinmedizinerin unterstützen.

Aus dem Vorstand ausgetreten ist Herr Dr. Erich Witzmann, der in der ÖGA für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war.

Besten Dank auch an ihn, für seine wertvolle Mithilfe über die Jahre.

Mein besonderer Dank gilt natürlich IM Toni Reitinger, der als Gründer und Präsident, den Verein über Jahre vorzüglich und äußerst erfolgreich geführt hat. Er bleibt uns als mein Stellvertreter noch mit seinem Wissen und Kontakten erhalten.

Wir werden uns zu gegebenen Anlass noch bei ihm ganz besonders bedanken.