Honig
Das Lebenselixier

"Honig ist die erste Wohltat,
die Gott den Menschen erwiesen hat."

(aus dem Koran)


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In Österreich gelten rechtlich Honig und Wachs als Lebensmittel, Blütenpollen, Propolis und Gelee Royalé werden den Nahrungsergänzungsmitteln zugeordnet. Daher sind die Bestimmungen des LMSVG und der Nahrungsergänzungsmittelverordnung bindend. Gesundheitsbezogene, bzw. krankheitsverhindernde Angaben, Anpreisungen etc. sind für den/die ImkerIn nicht erlaubt. Nur der Ärztin, dem Arzt ist es vorbehalten zu diagnostizieren, zu behandeln und entsprechende Auslobungen zu tätigen.

 

Was macht naturbelassenen Honig so wertvoll ?
Welcher Unterschied besteht gegenüber Haushaltszucker ?

Oder ist was dran an der Aussage:
„Honig ist auch nur Zucker“ ?

Häufig wird argumentiert, Honig bestehe hauptsächlich aus Zucker, eventuell wertvolle Substanzen sind, wenn überhaupt nur in kleinsten Mengen vorhanden und können dadurch nichts bewirken ... Dem gegenüber stehen eine Vielzahl von Forschungsergebnissen und ein großer Erfahrungsschatz in der Bevölkerung, die die vielfachen Qualitäten von Honig in der Ernährung und in der Medizin eindrucksvoll bestätigen. Und die hohe Wertschätzung von Honig in den alten Kulturen aller Kontinente beruhte in erster Linie auf dessen Heilwirkung.

Im Folgenden wird hier nur eine kurze Einführung in die gesundheitsrelevanten Eigenschaften von Honig gebracht. Ausführliche Informationen finden Sie über die unten angeführten Links.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind es vor allem die große Zahl verschiedener Zuckerarten und der hohe Fruchtzuckergehalt, die Honig so besonders machen: Honig besteht hauptsächlich aus Einfachzuckern (Trauben- und Fruchtzucker), in geringerem Anteil aus Saccharose, Malzzucker und aus bis zu 20 weiteren verschiedenen Zuckerarten. Diese Mischung ist entscheidend für eine langsamere Aufnahme der Zuckerstoffe im Körper. Dadurch kommt es zu einem langsameren Ansteigen und einer längeren Plateauphase des Blutzuckerspiegels und in der Folge zu einem langsameren Absenken, ohne dass es zu der bekannten "Unterzuckerung" kommt, wie sie sich oft durch übermäßigen Heißhunger nach dem Genuss von Süßigkeiten (Schokolade etc.) bemerkbar macht (Renate Frank 2005). Das ist auch der Grund, warum sich Honig besonders bei Ausdauersportlerinnen und -sportlern zunehmender Beliebtheit erfreut.

Doch Honig ist weit mehr als nur eine geniale "Zucker-Mischung": Über 187 verschiedene Inhaltsstoffe sind bis heute wissenschaftlich festgestellt worden. Neben den verschiedenen Zuckern sind wichtige weitere Honiginhaltstoffe: Enzyme, Aroma- und Duftstoffe, Säuren, Aminosäuren, Cholin, cholinergene Substanzen, Pollen, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Flavonoide, Terpene, Tannine, Inhibine u.a...

Honig allein nach den einzelnen Inhaltsstoffe zu beurteilen wäre vollkommen falsch. Es sind die Vielzahl der Wirkstoffe und ihr ausgewogenes natürliches Mengenverhältnis zueinander, die entscheidend sind für ein optimales Stoffwechselgeschehen. Die überaus positiven Wirkungen auf einzelne Organe des menschlichen Körpers lassen sich weniger durch einzelne allein wirkende Substanzen erklären, sondern begründen sich vielmehr auf ein gleichzeitiges Zusammenwirken mehrerer Honiginhaltsstoffe. Die Qualität und apitherapeutische Wirksamkeit des Honigs kann dabei je nach botanischer und geographischer Herkunft sehr unterschiedlich sein. Der Vitamingehalt des Honigs etwa ist abhängig vom Blütenpollenanteil, und da Blütenhonig wesentlich mehr Pollen enthält, sind im Blütenhonig auch  wesentlich mehr Vitamine enthalten. Im Waldhonig oder Honigtauhonig finden sich hingegen mehr Mineralstoffe und Spurenelemente.

Einige Beispiele für das Zusammenwirken von verschiedenen Honiginhaltsstoffen:

  • Das im Honig enthaltene Vitamin B1 ist unerlässlich bei der Aufspaltung der Zucker, dabei wird es vom Spurenelement Mangan unterstützt.

  • Magnesium kann wiederum nur bei Anwesenheit von Vitamin B6 genutzt werden.

  • Nur bei Vorhandensein von Vitamin C und dem Spurenelement Kupfer, kann auch das im Honig enthaltene pflanzliche Eisen von unserem Organismus verwertet werden. Der Eisenanteil im Waldhonig (bis 3,4 mg je 100 g) kann bis zum Doppelten des Anteiles im Rindfleisch betragen!

  • Chrom hat die Eigenschaft, die Wirkung des Insulins zu verbessern und gilt auch als „Glucose - Toleranzfaktor“. Chrom ist wichtig für die Verwertung des Traubenzuckers im Körper, denn es sorgt dafür, dass das Insulin seine volle Wirkung in der Zelle entfalten kann.

Die Aminosäuren sind die Grundbausteine der Eiweißkörper, im Honig finden sich davon zwei wichtige Verbindungen: das Acetylcholin und das Cholin. So kann das im Honig enthaltene Acetylcholin bei der Behandlung verschiedener Herzkrankheiten eine gute Unterstützung zu einer bestehenden Therapie darstellen. Das Cholin erhöht die Zuckerausnützung und begünstigt den Einbau von Fruchtzucker in das Leberglykogen. Nach Genuss von Honig, werden bis zu 80 % mehr Leberglykogen gebildet, als bei Verzehr gleicher Menge von isoliertem Traubenzucker! Die im Honig enthaltenen organischen Säuren stammen hauptsächlich aus den Speicheldrüsen der Bienen und wirken anregend auf die Verdauung. Der Pollenanteil im Honig ist ein typisches Beispiel dafür, dass auch kleinste Mengen davon, unter Umständen negative Reaktionen wie z.B. Heuschnupfen oder Asthma, ja auch Allergien hervorrufen können oder dieser im positiven Sinn eine verdauungsfördernde Wirkung auslösen kann. Amerikanische Allergiespezialisten empfehlen Pollenallergikern einen täglichen Honiggenuss von mindestens einem Teelöffel, um eine allmähliche Gewöhnung an die allergieerzeugenden Pollen zu erreichen. Der Honig muss allerdings naturbelassen und in der näheren Umgebung des Betroffenen geerntet worden sein (max.16 km, damit die entsprechenden Pollen auch im Honig vorhanden sind).

Weiters sind im Honig über 100 verschiedene Duft - und Aromastoffe sowie Inhibine bzw. antibakterielle Substanzen vorhanden. Diese Inhibine sind für die lindernde Wirkung des Honigs bei Infektionen der oberen Luftwege verantwortlich. Das alte Hausmittel "Honigmilch" (trinkwarme Milch oder trinkwarmer Tee mit Honig) hat durchaus auch heute noch seine Berechtigung.

Ganz besonders entscheidend für die Wirksamkeit von Honig ist auch seine Naturbelassenheit. Da besonders die bioaktiven Substanzen, wie Enzyme, Flavonoide u.a. sehr empfindlich auf Temperatur und Licht reagieren, ist einer schonenden Behandlung des Lebenselixiers Honig, von der Ernte über die Verarbeitung bis hin zur Aufbewahrung, höchste Priorität zu geben. Honig besitzt nur dann seine wertvollen Eigenschaften, wenn er:

  • Reif, schonend und hygienisch einwandfrei gewonnen,

  • in entsprechenden Lagergefäßen und bei kühlen Temperaturen ( 12 bis 15°C)  gelagert

  • und vor allem jede unnötige und besonders jede unkontrollierte Erwärmung, vermieden wurde.

  • Auch längere Lichteinwirkungen, (künstliches wie natürliches Licht) sind zu vermeiden. Braune Gläser wären für die Abfüllung von Honig wesentlich geeigneter, als Kompromiss wäre eine Karton-Überverpackung zu empfehlen.

Es ist ein wesentliches Ziel der österreichischen Gesellschaft für Apitherapie, dass in Österreich Bienenprodukte möglichst so wertvoll, wie die Bienen diese erzeugen, für Konsumenten / Patienten angeboten werden. Ein spezielles Gütesiegel für Produkte in "Apitherapie-Qualität" (Api-Terra) ist von der ÖGA in Ausarbeitung.


Foto: R. Berger

Eine voll verdeckelte Honigwabe: Durch vielfaches Umtragen des frischen Nektars im Stock haben die Bienen ihn zu Honig verwandelt. Ist der Honig reif wird jede Zelle durch einen dünnen Wachsdeckel verschlossen.


Foto: A. Reitinger

Eine durch den Imker frisch entdeckelte Honigwabe ist fertig für die Honigschleuder.

 

   

Weiterführende Informationen zu Honig:

Aloys Berg und Daniel König, 2008: Zum glykämischen Index von deutschen Honigsorten. Ernährungs Umschau 12/08

Österreichische Honig-Studie 2007, Forschungsprojekts, gefördert von der EU, dem Bund, Ländern und des Österreichischen Imkerbundes:

Frank, R., Shinha-Kumpfmüller, K., Puttinger, J. und Reitinger A.: 2007: Wirkung von Honig auf das Immunsystem und die Gesundheit. Ernährung und Medizin 2007; 22: 183-189.

Abschlussbericht; Frank, Renate.

Gfeller, M. und S. Bogdanov, 2006: HMF-Gehalt, Invertase- und Diastaseaktivität von in- und ausländischen Honigen - Analyse mit logistischer Regression. ALP science 2006, Nr. 499.

Bogdanov, S. und Blumer Pascale, 2001: Natürliche antibiotische Eigenschaften des Honigs. Schweizerisches Zentrum für Bienenforschung, Liebefeld, Bern

Bogdanov, S., 1999: Lagerung, Kristallisation und Verflüssigung des Honigs. Schweizerisches Zentrum für Bienenforschung, Liebefeld, Bern